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Rennes-le-Château - das Geheimnis der Pyrenäen
Eigentlich ist Rennes-le-Château ein armseliges Nest. Es liegt etwa 40 km südlich von Carcassonne auf einem Höhenzug inmitten der Landschaft des Rhazes. Es ist seine Geschichte, die Rennes-le-Château diese seltsame Anziehungskraft verleiht und es trotz oder gerade wegen deines abgewirtschafteten Zustandes für Fremde so interessant macht. Vor mehr als 100 Jahren geschahen in dem weltvergessenen Dorf merkwürdige Dinge. Dem Besucher präsentiert sich das Dorf von seinen Bewohnern fast verlassen und arg vom Zahn der zeit benagt. Nur das Landhaus Villa Bethania, in dem Gäste heute wieder logieren können, die eigenwillige Tour Magdala und die Ruine des Schlosses d’Hautpoul künden davon, daß der Ort schon bessere Zeiten gesehen hat. Die genannten Gebäude befinden sich in Privatbesitz und sind mithin nicht immer zugänglich - der Ort ist touristisch also ziemlich unattraktiv. Dennoch tummeln sich dort eine Menge Fremde, zuweilen mehr, als der Ort Einwohner zählt. Da war ein junger Priester namens Berenger Saunière, der im Jahr 1885 das Pfarramt von Rennes-le-Château übernommen hatte. Er hatte eine hervorragende Ausbildung genossen, war ehrgeizig und intelligent. Einem solchen Mann so sollte man meinen, hätten alle Wege offenstehen sollen. Doch mit 33 Jahren wurde er in die abgeschiedene, bettelarme Gemeinde von Rennes-le-Château versetzt und schien hier am Ende seiner Karriere angelangt. Doch offenbar machte dies dem Priester nicht das geringste aus - im Gegenteil. Saunière, der aus Montazel, einem kleinen Ort in der Nähe Rennes-le-Châteaus stammte, schien erfreut, wieder an den Stätten seiner Kindheit weilen zu dürfen. In seinem Amtsbruder Henri Boudet aus Rennes-les-Bain fand Saunière einen väterlichen Freund und Berater, unter dessen kundiger Anleitung er sich dem Studium antiker Sprachen und der bewegten Geschichte seiner Heimat widmete. Im Jahr 1891 begann Berenger Saunière mit der Rekonstruktion der kleinen Dorfkirche Rennes-le-Châteaus. Der Sakralbau ist Maria Magdalena geweiht und stammt aus dem 13. Jahrhundert, aus jenen alten, glanzvollen Tagen bevor Simon de Montfort und die Barone des Nordens Okzitanien im Namen Christi plünderten, jener Zeit, da Rennes noch Rhedae hieß und eine prachtvolle Stadt war, die an Größe und Bedeutung leicht mit Carcassonne konkurrieren konnte. Im Zuge der Arbeiten an der Kirche entdeckte Saunière mehrere Pergamente, die in einer hohen Säule des Altars verborgen waren. Der Altar hatte ein bei weitem höheres Alter als die Kirche und ging in seiner ursprünglichen Gestalt bis auf die Zeit der Merowinger zurück, die im frühen Mittelalter auch das Rhazes beherrschten. Rhedae war einstmals ihre Gründung und südliche Hauptstadt des Merowingerreiches bis zur Ermordung des letzten Herrschers aus diesem Geschlecht gewesen. Zwei der aufgefundenen Dokumente waren Testamente. Sie stammten aus den Jahren 1244 und 1644 und enthielten die Genealogie der Grafen von Rhazes, die ihren Ursprung auf das Geschlecht der Merowingerkönige zurückführten. Die beiden anderen Pergamente stammten offenbar aus der Feder Antoine Bigous, eines Amtsvorgängers des Abbé Saunière und waren in den Jahren 1781/82 verfaßt worden. Die von Bigou niedergeschriebenen Dokumente waren auf den ersten Blick nichts weiter als ziemlich ungenaue und verworrene Versionen zweier Geschichten aus dem neuen Testament. Das sogenannte „Kleine Manuskript“ hat jene Bibelstelle zum Inhalt, in welcher Jesus von den Pharisäern gescholten wird, weil er am Sabbat arbeitet, das „Große Manuskript“ handelt von der Hochzeit in Kanaan. Die lateinischen Texte waren jedoch verändert worden. So hatte Bigou im „Großen Manuskript“ 140 Buchstaben hinzugefügt und die Zeilen nach einem bestimmten System verkürzt Saunière begriff, daß er es mit chiffrierten Texten zu tun hatte, ihm aber der Schlüssel fehlte, um diese Chiffren zu knacken. Hilfesuchend wandte er sich nunmehr an seinen Bischof Mns. Felix Arsene Billard. Dieser zeigte Verständnis für Sauriers Probleme und finanzierte dem Abbé eine Reise nach Paris, wo sich Saunière am Konservatorium von Saint Sulpice mit dem Theologen Abbé Bieil und dem ebenso jungen wie brillanten Linguisten und Priester Emile Hoffet in Verbindung setzte. Hoffet gelang es innerhalb von nur drei Wochen, mit Hilfe des komplizierten Vigenere-Code-Systems, die Dokumente zu dechiffrieren. Dabei stellte sich heraus, daß der ursprüngliche Text lateinisch, der Schlüssel der Chiffren mathematisch und der Klartext (alt-)französisch war. Dieser Klartext war jedoch nicht minder verwirrend als die Chiffren. Für das „Kleine Manuskript“ lautet er (hier wörtlicher deutscher Übersetzung):
Das „Große Manuskript“ gab nach der Dechiffrierung folgenden Inhalt preis:
Dies klingt nicht sehr sinnvoll. Nachforschungen haben inzwischen jedoch ergeben, daß Dagobert II. ein Merowingerkönig war, der am 23. Dezember 678 n.Chr. bei Stenay in den Ardennen auf Anweisung seines eigenen Kanzlers ermordet wurde und sich die Namen Poussin und Teniers auf zwei Maler des 17. Jahrhunderts beziehen. In einem Gemälde Nicolas Poussins soll auch der Schlüssel zum Geheimnis Rennes-le-Châteaus verborgen sein. Bei dem Bild handelt es sich um die in den Jahren 1638-1640 entstandene zweite Version des Gemäldes „Le Bergers d’Arcadie“ „Die Hirten von Arkadien“. Die dargestellte Landschaft ist das Abbild eines Gebietes ca. 8 km östlich von Rennes-le-Château. Die Felsformationen in der Nähe der Ortschaft Arques stimmen mit dem Gemälde überein, auch der Sarkophag war dort zu besichtigen - jedenfalls bis vor einigen Jahren. Die neuen Grundbesitzer aus der Familie Rousset ließen ihn a1989 aus unbekannten Gründen zerstören. Die Inschrift auf dem Sarkophag lautet:
Bildet man aus den Buchstaben ein Anagramm, so ergibt sich folgender Wortlaut:
Saunière erwarb im Louvre eine Reproduktion dieses Gemäldes und kehrte nach Rennes-le-Château zurück. Von diesem Zeitpunkt an schwamm der vorher bettelarme Landpfarrer buchstäblich im Geld. Er ließ ein Landhaus bauen, die Villa Bethania, und für sich einen Bibliotheksturm im neogotischen Stil errichten, die Tour Magdala. Saunière widmete sich darüber hinaus löblichen Gemeindeprojekten, indem er den Ort an die zentrale Trinkwasserversorgung anschließen und eine neue Straße bauen ließ. Auch die vollständige Renovierung seiner Kirche bezahlte der Pfarrer aus eigener Tasche. Dabei wurde das Bauwerk jedoch in einem etwas "heidnischen" Stil umgestaltet - überall in den grellbunten Wandmalereien finden sich neben Sauriers Signum „BS“ auch allegorische Anspielungen auf einen verborgenen materiellen oder spirituellen Schatz. Über dem Eingang des Gotteshauses ließ Saunière folgende Inschrift einmeißeln:
Der sagenhafte Reichtum Sauriers scheint jedenfalls zum Teil tatsächlich aus einem Schatzfund zu stammen, was sich insofern belegen läßt, als Saunière einige seiner Amtsbrüder aus der Umgebung reich mit Antiquitäten beschenkte. So erhielt der Priester Grassaud einen sehr alten, außerordentlich kostbar verzierten Abendmalskelch und Abbé Courtaulay aus Couiza eine beträchtliche Menge Münzen aus dem 6. Und 7. Jahrhundert n. Chr.. Die Gegend um Rennes-le-Château ist sehr goldreich, bereits im Jahr 1860 fand ein Bauer auf seinem Feld bei Rennes-le-Château einen Goldbarren mit einem Gewicht von 50 Kilogramm, ein weiterer Goldbarren, der 20 Kilogramm wog und nur aus grob eingeschmolzenen arabischen Münzen bestand, wurde in einem Waldstück nahe des Dorfes entdeckt. Möglicherweise war der Schatz, den Saunière entdeckt hatte, merowingischen Ursprungs. Es kann sich jedoch auch um einen Teil des Kronschatzes der Königin Blanche de Castille aus dem 13. Jahrhundert handeln, die ihre private Kriegskasse während des Pastorellenaufstandes nach Rhedae in Sicherheit bringen ließ. Doch auch zeitgenössische Quellen sprudelten für Saunière. So erhielt er großzügige Zahlungen von den Adelshäusern Chambord und Habsburg. Auch Henri Boudet überwies an Saunière Summen in Millionenhöhe. Da Boudet selbst nur Pfarrer war, nimmt man an, daß er und Saunière im Dienst einer mächtigen Geheimgesellschaft, des Priorats von Sion, standen. Die Existenz eines solchen elitären Zirkels ist historisch recht gut dokumentiert. Zu Zeiten der Kreuzzüge wurde das Priorat, ursprünglich unter der Bezeichnung „Ordre de Mont Sion“ ins Leben gerufen, wie uns eine Urkunde aus dem Jahr 1178 verrät, und soll in gewandelter Organisationsform, nämlich als geheime Gesellschaft, die Zeiten bis zum heutigen Tag überdauert haben. Saunière empfing in seinem Refugium so bedeutende Gäste wie den Cousin des österreichischen Kaiser Johann Salvator von Habsburg, den französischen Kultusminister und die berühmte Operndiva Emma Calve, die auch seine Geliebte gewesen sein soll. Auch nachdem 1914 sein väterlicher Freund und Berater Boudet in Rennes-les-Bain unter seltsamen Umständen aus dem Leben geschieden war, nahm Saunière nicht Abstand von seinen immer umfangreicher werdenden Projekten. Während in Europa der I. Weltkrieg tobte, plante Saunière, Rennes-le-Château mit einem drei Meter hohen Wall zu umgeben und das gesamte Dorf mit einem auf neun Säulen ruhenden, mehr als fünfzig Meter hohen Tempel zu überdachen. Das gigantische Bauwerk sollte 80 Millionen Franc in Gold kosten, wie einem ersten Kostenvoranschlag von Elias Both, Sauriers Architekten, zu entnehmen ist. Als der neue Bischof von Cargassonne, Mns. Beausejour, Saunière wegen seines Lebenswandels der geistlichen Ämter enthob und ihn der Simonie (des verbotenen Messenhandels) anklagte, wandte sich der Priester an den Vatikan und wurde im Jahr 1915 durch die oberste Kirchenbehörde von allen Verfehlungen freigesprochen und wieder in sein geistliches Amt eingesetzt. Saunière fuhr fort, sein Geld, das aus dunklen Quellen sprudelte, so großzügig auszugeben wie zuvor. Doch am 17. Januar 1917 erlitt der Priester überraschend einen Schlaganfall, an dessen Folgen er fünf Tage später verstarb. Mysteriös bleibt an seinem Tod, daß Marie Denarnaud, seine Haushälterin, bereits Am 12. Januar 1917 einen Sarg für ihren Herrn bestellte, wie aus einer erhalten gebliebenen Auftragsbestätigung hervorgeht. Saunière verstarb ohne Letzte Ölung, die ihm sogar von seinem Freund, Abbé Riviere aus Esperaza, verweigert worden war, nachdem er ihm das Geheimnis seines Reichtums enthüllt hatte. Bis heute erinnern sich die älteren Einwohner en den merkwürdigen Ritus bei Sauriers Bestattung. In einer scharlachroten Robe gehüllt, wurde der Tote in einem Lehnstuhl sitzend vor der Tour Magdala aufgebahrt. Zum Leichenbegräbnis waren trotz des Krieges Fremde aus vielen Ländern Europas, so aus Spanien, Italien, Deutschland, Österreich, Großbritannien und Portugal angereist. Marie Denarnaud überlebte den Abbé um mehrere Jahrzehnte. Bis zum Ende des II. Weltkrieges führte sie das beschauliche Leben einer vermögenden Grundbesitzerin, da Saunière ihr bereits zu Lebzeiten allen Besitz in Rennes-le-Château überschrieben hatte. Viele bemühten sich, ihr Vertrauen zu gewinnen und so mehr über das Geheimnis des Pfarrers von Rennes zu erfahren. Doch Marie Denarnaud wich den drängenden Fragen aus: „Die Bewohner Rennes-le-Châteaus wandeln auf purem Gold. Es ist genug, um alle in dem Ort hundert Jahre lang aufs beste zu kleiden und zu ernähren und selbst dann wäre noch eine gehörige Menge übrig.“ Mehr war aus ihr nicht herauszubekommen. Nur dem Hotelier Noel Corbu, der ihr nach dem II. Weltkrieg aus einer mißlichen Lage half, in die sie aufgrund ihrer allzu guten Beziehung zu den deutschen Besatzern geraten war, versprach Marie Denarnaud, sie werde ihn zu „einem sehr, sehr reichen und mächtigen Mann machen“. Dazu aber sollte es nicht mehr kommen. Im Jahr 1953 erlitt die Greisin einen Schlaganfall, an dem sie kurze zeit später verstarb. Es heißt, Marie Denarnaud sei nur noch in der Lage gewesen, einen kleinen Teil ihres Wissens an Noel Corbu weiterzugeben. Der Hotelier verbrachte jedenfalls die nächsten 15 Jahre mit der Erforschung des Geheimnisses. Er investierte bedeutende Summen und war 1965 sogar gezwungen, die einstigen Besitzungen Sauriers, die er von Marie Denarnaud erworben hatte, an Monsieur Buthion zu veräußern. Drei Jahre nach diesem Notverkauf schien er seinem Ziel sehr nahe zu sein. Jedenfalls verkündete Noel Corbu 1968 im Bekanntenkreis, „bald werde ihm nicht nur Frankreich, sondern ganz Europa gehören“. Wie er dies zu bewerkstelligen gedachte, vermochte der Hotelier nicht mehr zu enthüllen. Nur drei Tage nach seiner Ankündigung kam er bei einem mysteriösen Verkehrsunfall in der Nähe von Fanjeaux ums Leben. Der Unfallgegner blieb bis heute unbekannt ... Es ist in der Zwischenzeit viel über das Geheimnis Rennes-le-Château spekuliert worden. Die meisten Forscher nehmen an, dort sei der Heilige Gral - was man darunter auch immer verstehen mag - verborgen. Doch der Begriff Gral leitet sich nun einmal nicht von „Sang real“ (königliches Blut) ab, wie das britische Journalistenteam um Michael Baigent in dem vielgelesenen Buch „der Heilige Gral und seine Erben“ zu beweisen versuchte. Auch „Das letzte Grab Christi“, wie Paul Schellenberger und Richard Andrews vermuten, wird sich nicht in der Nähe Rennes-le-Châteaus finden. Zwar sind die Recherchen der Briten zum Thema beeindruckend, doch verkennen sie, daß das bloße Wissen um die mögliche Existenz eines solchen Grabes als Druckmittel nie ausgereicht hätte, um Saunière und seinen Mitverschworenen ihr luxuriöses Leben durch großzügig bemessenes „Schweigegeld“ zu ermöglichen. Weiterhin läßt eine solche Sichtweise das außerordentliche Interesse außer Betracht, welches das Haus Habsburg und auch die Familie Rothschild an der „Affäre Rennes“ hegte. Immerhin investierten die Rothschilds in den sechziger Jahren sechsstellige Summen in ein Suchaktion nahe Rennes-le-Châteaus, in deren Verlauf ein Berg zu mehr als einem Drittel abgetragen wurde, weil Baron Edmond de Rothschild dort offenbar Sauriers sagenhaften „Schatz“ vermutete. Henry Lincolns Version, der nach dem Studium der von Saunière entdeckten Pergamente mit Hilfe „Heiliger Geometrie“ in der Nähe Rennes-le-Château einen „Heiligen Platz“, einen „Unsichtbaren Tempel“. Den er als das „achte Weltwunder“ bezeichnet, aufgespürt haben will, vermag ebenfalls nicht zu überzeugen. Unbestritten aber ist Lincolns Verdienst der Entdeckung einer antiken, möglicherweise sogar prähistorischen Wallsiedlung von gewaltiger Ausdehnung bei Coustaussa, heute von den Einheimischen „La Grand Camp“ - das Große Lager“ genannt. Eine persönliche Besichtigung des beschriebenen Platzes durch den Autor förderte Erstaunliches zutage. Auf einem Areal von ca. 10 km, das teilweise künstlich planiert worden ist, erheben sich die Reste gewaltiger Mauern und bunkerartiger Befestigungen. Deutlich lassen sich einzelne Bauepochen unterscheiden. Merkwürdigerweise sind hier die offenbar ältesten Gebäude auch am sorgfältigsten ausgeführt. Sie weisen darüber hinaus eine weitere Besonderheit auf. Schießscharten finden sich auch anderswo an antiken und mittelalterlichen Wehrbauten. Vor der Erfindung der Feuerwaffen lag der schmalste Teil der Schießscharte stets an der Außenseite der mauer. So waren zum einen die Verteidiger vor feindlichen Geschossen bestmöglich geschützt, zum anderen leitete die Schießscharte auf diese Weise auch die größtmögliche Lichtmenge in den Innenraum. Erst mit der Erfindung von Feuerwaffen machten sich neue Konstruktionsprinzipien erforderlich. Die Läufe der Gewehre und Geschütze mußten in einem möglichst großen Winkel geschwenkt werden können, um den Gegner effektiv bekämpfen zu können. So befindet sich bei diesen Schießscharten die schmalste Stelle an der Innenseite der Mauer, nach außen erweitert sich die Schießscharte, um das notwendige Schußfeld zu schaffen. Doch gerade bei den ältesten Bauwerken des „La Grand Camp“ befindet sich diese soeben beschriebene Konstruktionsweise von Schießscharten für Feuerwaffen. Über die Erbauer dieses europaweit in seiner Weise wohl einzigartigen Schutzbauwerkes kann nur spekuliert werden. Der Ort scheint so alt zu sein, daß noch nicht einmal in lokalen Legenden von ihm die Rede ist. Für die Einheimischen war „La Grand Camp“ schon immer da, und ihrer Meinung nach wurden die Gebäude auch schon immer so genutzt wie sie es heute tun: als Schafspferche und Unterstellräume für landwirtschaftliche Geräte. Doch welches Schaf braucht für seinen Pferch meterdicke Mauern mit Schießscharten? Die Geschichte dieses Platzes wird sich nur durch gründliche Forschungen vor Ort rekonstruieren lassen. Ein erster Schritt dazu könnte die genaue Vermessung und Kartierung des betreffenden Geländes sein. Möglicherweise warten unter den Trümmern Artefakte auf ihre Entdeckung, die einen Vergleich mit dem „Heiligen Gral“ nicht zu scheuen brauchen. So mancher vermutet auch den sagenhaften Kartharersschatz im Vallée de Bezu. Tatsächlich hüteten die Katharer auf der Burg Montsegur etwas, das die Inquisitoren als „ad pecuniam infinitam“ - „von nicht in Geld zu bemessendem Wert“ bezeichneten. Diese Gegenstände wurden vor der endgültigen Kapitulation der Burg am 1. März 1244 in Sicherheit gebracht. Wohin, das ist nicht genau bekannt. Doch darf nicht übersehen werden, daß nach dem Fall des Montsegur noch zwei weitere bedeutende Festungen den katholischen Kreuzfahrern widerstanden: Queribus, das „Wolkenschloß“ und Puilaurens unter dem Befehl des überzeugten Katharers Chabaret de Barbeira. Die Burgbesatzungen wehrten sich gegen die Übermacht der Kreuzfahrer noch bis 1256. Im Labyrinth der Schluchten und Täler des Flusses Aude verborgen liegt die Burg von Usson, die im Verlauf des Albigenserkreuzzuges nicht ein einziges Mal angriffen wurde. Unter diesen Umständen erscheint es extrem unwahrscheinlich, daß die Katharer ihr Heiligtum ins Vallèe de Bezu brachten, wo sie über keine Stützpunkte mehr verfügten. Was aber könnte Berenger Saunière dann entdeckt haben? Betrachten wir hierzu einen interessanten Aspekt. Alle, die das Geheimnis Renne-le-Châteaus Kannten, waren bestrebt, sich im Ort oder zumindest in seiner Umgebung niederzulassen. Saunière war nicht der Einzige, wohl aber der letzte in einer langen Reihe der Eingeweihten, dem sich das Geheimnis in voller Tragweite erschloß. Vor ihm waren zumindest mit Teilaspekten des Rätsels vertraut: Abbé Henri Boudet, der sein Leben in Rennes-les-Bain verbrachte, Jean Vie, Sauriers Amtsvorgänger und Antoine Bigou, der das Geheimnis von Marie de Negre erfuhr, der letzten Marquise de Hautpoul de Blanchefort, die 1781 starb. Mit ihrem Tod erlosch eines der mächtigsten Adelsgeschlechter Südfrankreichs. Die Blancheforts, deren Stammhaus nur wenige Kilometer nordöstlich Rennes-le-Châteaus stand, waren höchstwahrscheinlich auch die Entdecker jenes Geheimnisses, das den Ort bis heute umgibt. Es heißt, daß das Adelshaus de Blanchefort dem Orden der Templer eng verbunden gewesen sei. Im Jahr 1156 holte einer der Grafen von Rhazes, Bertrand de Blanchefort, der den Angaben mancher Autoren zufolge sogar einige Zeit Großmeister des Templerordens gewesen sein soll, deutsche Bergleute ins Land, die unter strengsten Geheimhaltungsvorschriften Mineurarbeiten im Gebiet des Château de Blanchefort und des le Bezu ausführten. Es ist bis heute ungeklärt, welchem Zweck diese Arbeiten dienten. Jedoch stellte bereits im Jahr 1647 der Bergbauingenieur Cesar d’Arcons fest, daß die Deutschen Eisen in großen Mengen verhüttet und eine Art unterirdisches Bauwerk angelegt hätten, welches d’Arcons als „Tresor“ bezeichnet. Heutzutage würde man vielleicht treffender von einer Burganlage sprechen. Fraglich bleibt der Zweck eines solchen Bauwerks. Im Hinblick auf das gewaltsame Ende des Templerordens argumentieren viele Autoren, bereits während der Ära des Bertrand de Blanchefort hätten die Ordensoberen an schlechte Zeiten gedacht und ein Versteck für ihre Schätze angelegt. Dem mit der mittelalterlichen Geschichte Vertrauten erscheint diese Ansicht jedoch nicht so recht logisch. Möglicherweise aber wollten die Templer etwas, das sich bereits im Vallée de Bezu befand, etwas Außergewöhnliches, womöglich sogar Gefährliches für Unbefugte unzugänglich machen (man bedenke die kryptische Warnung, daß „dieser Schatz der Tod ist“). Ähnliche Gefühle mögen auch Berenger Saunière bewegt haben, als er 735 Jahre später auf das Vermächtnis der Templer stieß. In der Dorfkirche ließ er eine Statue Asmodis aufstellen, des Hüters der verborgenen Schätze und Geheimnisse. In vielen Arbeiten über Rennes-le-Château steht zu lesen, wie schreckerregend diese Statue auf den Betrachter wirke. Doch bei eingehender Betrachtung der Fotodokumente erscheint eigentlich das Teufelchen eher selbst erschrocken, ja geradezu entsetzt zu sein. Mit vor Angst geweiteten Augen starrt es auf den Boden der Kirche, als fürchte es sich vor etwas da unten, tief unter den Hügeln und Tälern des Rhazes. Wovor? Vor etwas, das so völlig außerhalb unserer Erfahrungen liegt, das so ganz anders ist, eben nicht von unserer Welt stammt. Gibt es Indizien dafür, daß die „Anderen“, die „Großen Alten“ der Vorzeit auch im Gebiet um Rennes-le-Château aktiv waren und es vielleicht noch sind? Es gibt sie. Monsieur Henri Buthion, bis 1993 Eigentümer der Besitzungen Berenger Sauriers, vertraute mir an, daß in der Nacht vom 13. Zum 14. Oktober jedes Jahres über dem Pic de Bugarach seltsame Leuchterscheinungen zu beobachten sind. Der Pic de Bugarach erhebt sich ein Dutzend Kilometer südöstlich von Rennes-le-Château und beherrscht mit 1230 Höhenmetern das Land ringsum. Nach Aussagen jüdischer Besucher des Ortes soll der Pic de Bugarach dem Berg Sinai in Palästina täuschend ähnlich sehen. In Anspielung auf diese Tatsache versicherte Monsieur Buthion: „Auf dem Berg Sinai stieg der HERR zu den Menschen herab. Wenn Sie zu den Göttern hinaufsteigen wollen, dann gehen Sie auf den Pic de Bugarach!“ Die Leuchterscheinungen, die sich zeitweise über dem Berg manifestieren, sind geradezu klassische UFO-Phänomene. Im Jahr 1978 wollen bis zu 200 Zeugen strahlende, scheibenförmige Objekte über dem Berg gesehen haben. Es wurden jedoch auch schon dreieckige und trapezförmige Flugkörper beobachtet. Einige Zeugen sind sich sicher, daß diese Flugobjekte teilweise am Berg niedergingen und dort auf mysteriöse Weise verschwanden. Die lokale Gendarmerie will damals „Landespuren“ in Form von Bodenverfärbungen in geometrischen Mustern und kreisrunden verbrannten Grasflächen sichergestellt haben. Der Autor beobachtete in den Jahren 1995 und 1996 jeweils in der fraglichen Oktobernacht den Pic de Bugarach. Wenn sich auch das beeindruckende Schauspiel von 1978 nicht wiederholte, so konnte doch festgestellt werden, daß sich am Berg eine Art Aura oder Energiefeld manifestiert, und zwar in Form eines Lichtgewitters, das an intensives Wetterleuchten erinnert. Diese Leuchterscheinungen setzten jeweils gegen 21,00 Uhr ein und dauerten bis in die frühen Morgenstunden. Anfragen bei meteorologischen Stationen ergaben, daß in den fraglichen Nächten im Gebiet des Rhazes keine Gewitter auftraten, so daß atmosphärische Ursachen der Leuchterscheinungen ausgeschlossen werden können. Tatsächlich ergaben vergleichende Beobachtungen im Juni 1996, daß die Leuchterscheinungen offensichtlich an die Örtlichkeit und auch den genannten Zeitpunkt geknüpft sind, denn bei nächtlichen Beobachtungen im Juni 1996 wurde keine Aktivität am Pic de Bugarach verzeichnet. Somit dürften auch piezoelektrische Phänomene als Ursache des Lichtgewitters ausscheiden. Während der Beobachtungen in den Oktobernächten 1995 und 1996 wurden durch den Autor am Pic de Bugarach ebenfalls tennisballgroße, orangefarben leuchtende Flugkörper jeweils für eine Zeit von ca. 5 bis 8 Minuten gesichtet. Struktur und Flugverhalten dieser Leuchterscheinungen waren vollkommen verschieden von dem nächtlichen Erscheinungsbild eines konventionellen Helikopters oder Flugzeuges. Als weiteres Phänomen ist das in der Nacht vom 13, zum 14. Oktober 1995 gesichtete starke Leuchten zu nennen, welches von der Bergspitze La Pique Grosse (einem nur mit Bergsteigerausrüstung zugänglichen Teil des Massives des Pic de Bugarach), beginnend um 1.25 Uhr für ca. 5 Minuten ausging. Das weiße Licht war sehr leuchtstark und erinnerte in seiner Intensität an sogenannte „Lichtkanonen“ oder einen Flakscheinwerfer. Der Wagen des Autors, der sich zu dieser Zeit in ca. 2500 Meter Luftlinie Entfernung von La Pique Grosse befand, wurde von diesem Licht angestrahlt und taghell beleuchtet. Bemerkenswert an dieser Leuchterscheinung ist zunächst die Tatsache, daß der Lichtstrahl fast keine Streuung aufwies, was an die von UFO-Phänomenen her bekannten „Solid Lights“ denken läßt. Weiterhin war zu beobachten, daß die Assoziation von Morsezeichen weckte. Da der Autor den Pic de Bugarach bereits seit den späten Nachmittagsstunden des 13. Oktober 1995 beobachtet hatte, läßt sich auch mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Möglichkeit ausschließen, daß sich auf dem unwegsamen Gipfel zu der genannten Zeit Menschen aufhielten, die durch die Anwendung von Handscheinwerfern oder ähnlichen Geräten das beschriebene Lichtphänomen hätten verursachen können. Neben der Sichtung solcher „Nocturnal Lights“ ist noch ein Erlebnis des französischen Schriftstellers Jean Markale erwähnenswert. Bei einem seiner ausgedehnten Streifzüge durch die Umgebung Rennes-le-Châteaus suchte er auch den kleinen Weiler Monthoumet in der Nähe des Pic de Bugarach auf. Markale schildert, daß er während seines Aufenthaltes in dem winzigen Dorf das Gefühl hatte, sich außerhalb der gewohnten Dimensionen von Raum und zeit zu bewegen. Der Schriftsteller ist überzeugt, daß die Menschen in Mounthoumet „in einer anderen Welt“, also einer Parallelen Dimension existieren. Der Autor kann diesen Eindruck Markales durch eigenes Erleben bestätigen. Monthoumet erscheint als ein Ort, an dem die Zeit wahrhaftig „stehengeblieben“ zu sein scheint, was sich u.a. auch in Kompaßanomalien, die sich auch am Pic de Bugarach feststellen lassen, und Gangungenauigkeiten selbst moderner Uhren äußert. Die Atmosphäre Monthoumets läßt an den Bericht des Arztes Dr. Doreal denken, der 1931 am Mount Shasta, einem erloschenen Vulkan in Kalifornien, eine Stadt im Stil der Maya-Kultur entdeckt haben will. Für einige Stunden war Dr. Doreal damals in dieser fremden Welt Gast geheimnisvoller Wesen, von denen sich die Einheimischen erzählen, daß sie am Mount Shasta ein- und ausgingen und zuweilen in strahlend bläulichen Blitzen verschwänden ... Aus Tibet und den nördlichen Regionen Indiens liegen zahlreiche
Berichte über Kontakte mit den Bewohnern des mythischen Königreiches Agharta
vor. Zugänge zu dieser unterirdischen Parallelwelt sollen sich in der
Nähe des Karakorumpasses, aber auch unter dem Pottala-Palast in Lhasa
befinden. Verschiedene europäische Reisende, so u.a. die Begründerin der
Theosophie Helena Blavatsky, aber auch die französische Forscherin Alexandra
David-Neel und der russische Geograph, Philosoph und Künstler Nicolas
Roerich behaupteten, zu Gast in der Welt von Agharta (oder Shambala, wie
dieses unterirdische Reich zuweilen genannt wird) gewesen zu sein. All
diese Schilderungen legen folgende Fragen nahe: Der Templerorden unterhielt in der Gegend um Rhedae sechs
Komtureien, darunter die Festung von Le Bezu und eine weitere befestigte
Niederlassung in Champagne-sur-Aude. Die große Zahl der Komtureien in
einem relativ kleinen Gebiet beweist das starke Interesse des Ordens an
Rennes-le-Château und seiner Umgebung. Nach der Zerschlagung des Ordens
in Frankreich im Jahr 1307 blieben die Templer des Rhazes unter dem Präzeptor
Raimund sa Guardia aus Mas-Dieu zwar auf freiem Fuß, büßten jedoch ihr
gesamtes Vermögen ein. Im Jahr 1318 dann, vier Jahre nachdem ihr letzter
Großmeister Jaques de Molay in Paris auf dem Scheiterhaufen in den Tod
gegangen war, verschwanden 13 ehemalige Templer der Präzeptorei Mas-Dieu
spurlos. Die Bauern im Vallée de Bezu schwören noch heute Stein und Bein,
daß die Templer eben dort unter mysteriösen Umständen untertauchten. Bedeutet
dies vielleicht, daß jene 13 Templer, nachdem sie ihre eigentlich Heimat,
den Orden, verloren hatten und erkennen mußten, daß es für sie hier nichts,
aber auch gar nichts mehr zu tun gab, einfach hinüberwechselten in eine
andere Realität, in eine „Neue Welt“? Möglicherweise existiert bei Rennes-le-Château
ein Zugang zu solch einer parallelen Realität. Dies würde erklären, warum
alle, die dem Geheimnis Rennes-le-Châteaus nachspürten, bestrebt waren,
vor Ort zu bleiben. Dies trifft übrigens auch heute noch zu, denn die
Einheimischen,, einschließlich der Behörden, sehen Suchaktionen Fremder
im Gebiet um Rennes-le-Châteaus gar nicht gern. Die Geschichte des Geheimnisses
von Rennes-le-Châteaus hat vor mehr als eintausend Jahren begonnen. Sie
ist offenbar jedoch noch lange nicht zu Ende. Im April 1996 zerstörte
ein übereifriger Schatzsucher die Statue Asmodis in der Kirche des Ortes.
Der unbekannte Vandale zerschmetterte der Skulptur den Schädel und den
rechten Arm. Asmodi ist inzwischen wiederhergestellt und sitzt seither
unter Plexiglas ... |